Publication Type:

Conference papers

Authors:

Raphael Susewind

Source:

Deutscher Orientalistentag, September 20-24, Marburg (2010)

Keywords:

Gujarat

Abstract:

Religion kann Intergruppenkonflikte sowohl eskalieren als auch deeskalieren - so weit der Forschungskonsens. Doch die Ambivalenz des Sakralen betrifft nicht nur Gruppen, sie äussert sich bereits auf der Mikro-Ebene religiöser Identitäten und sozialen Handelns. Sie entsteht auch nicht erst im Kontrast von Friedensaktivistinnen und Gewalttätern, sondern betrifft beide unabhängig voneinander. Jenseits des Diskurses über gewaltförmige oder konstruktive Konflikte, in denen Religion positive oder negative Rollen spielen kann, zeigt mein Paper am Beispiel zweier weiblicher Biographien, wie sich Ambivalenzen und Ambiguitäten von Religion als persönliche Dynamik entfalten können. Meine Daten stammen aus einer explorativen Ethnographie zu muslimischen Friedensaktivisten im indischen Bundesstaat Gujarat, in der empirisch vier Weisen des Zusammenspiels von Glaubensvorstellungen, Gruppenidentifikationsprozessen und politischem Verhalten identifiziert und idealtypisch verdichtet werden konnten. Während glaubensbasierte Akteure und säkulare Macher statische und eindeutige Konfigurationen repräsentieren, liefern sich emanzipierende Frauen und zweifelnde Profis - die Typen, die in meinem Paper vorgestellt werden - erste Hinweise zur Vertiefung der Ambivalenzhypothese. Beide ringen auf unterschiedliche Weise mit, aber auch um, Religion. Ihr Beispiel unterstreicht daher nicht zuletzt die Bedeutung explorativ-empirischer Methoden auf der Mikroebene für ein adäquates Verständnis religiös-politischer Konflikte.